Die Natur produziert in höchst innovativen Kreisläufen. Zum Beispiel Holz: ein vielseitig einsetzbares Material ohne schädliche Nebenwirkungen für kommende Generationen. Eigenartig ist, dass wir das Produkt Holz teilweise brachliegen lassen und stattdessen problematische Rohstoffe wie Öl, Stahl, Gas oder Beton verwenden.

Eine ausgewachsene Buche besitzt über eine halbe Million Blätter, die sie jedes Jahr komplett neu aufbaut. Jedes einzelne Blatt wiederum ist während mehrerer Monate eine kleine Fabrik, die aus Sonnenlicht, Kohlendioxid (CO2), Wasser und Nährstoffen Sauerstoff und Zucker produziert. Nach ihrer Stilllegung, jeweils im Herbst, fallen die Blätter auf den Boden, wo aus ihnen dank unzähliger Bodenorganismen wertvoller Humus entsteht. Die Produkte der Blätter speichert der Baum in seinem Stamm, den Ästen und Wurzeln in komplexer chemischer Form als Substanz, die wir Holz nennen. Das Holz wiederum wird ebenfalls zu Humus, wenn der Baum dereinst ungenutzt umfällt. Damit schliesst sich ein perfekter Kreislauf. Das Produkt Holz aus diesem Prozess ist aber vor allem auch ein wertvolles Material mit universellen Einsatzmöglichkeiten. Der Mensch kann damit Rohstoffe ersetzen, die er mit gravierenden Nebenwirkungen für die Natur auf vergleichsweise verschwenderische Weise selbst produziert. Zum Beispiel Stahl, fossile Treib- und Brennstoffe, Beton oder Plastik.
Hierzulande wird nur ein Teil des Holzes genutzt. Rund ein Drittel der jährlich nachwachsenden Menge bleibt im Wald. Die Folge davon sind zunehmend überalterte Baumbestände, die mit der Zeit anfälliger auf Stürme und Schädlinge werden. Aus Sicht der Ressourcenökonomie sind die nachhaltige Nutzung des Waldes und die Substitution klimaschädlicher Rohstoffe nicht nur sinnvoll, sondern angesichts der globalen Klimaerhitzung ein Gebot der Stunde.
Jährlicher Holzzuwachs im Schweizer Wald Jährliche Holznutzung im Schweizer Wald Differenz = Jährlich theoretisch zusätzlich nutzbare Holzmenge Jährlich sinnvoll nutzbares, zusätzliches Potential*
10 – 11 Mio. m3 4,5 – 5,5 Mio. m3 5,5 – 6,5 Mio. m3 2,5 – 3,0 Mio. m3
- Sinnvoll nutzbares Potential heisst: Die Holznutzung findet nicht bis ins hinterste, unerschlossene Bergtal statt. Im Wald ist ein gewisser Flächenanteil als Naturreservat ausgeschieden. Hier finden aus Naturschutzgründen keine Nutzungen statt.
Die Waldwirtschaft ist heute mit schwierigen Rahmenbedingungen konfrontiert. Immer grössere Holzmengen fallen als sogenannte Zwangsnutzung an: seien es durch Stürme gefällte, durch Borkenkäferfrass oder Trockenheit abgestorbene Bäume. Dem steigenden Holzangebot steht eine leider stagnierende Nachfrage nach Schweizer Holz gegenüber. Als Folge davon sinken die Preise. Der Aufwand für die Holzgewinnung lässt sich kaum noch decken. Viele Forstbetriebe rutschen in ein Defizit. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass die Qualität des zwangsgenutzten Holzes teilweise keine stoffliche Verwendung zulässt. Dieses Holz eignet sich aber durchaus als Energieholz. Es lässt sich mit vergleichsweise geringem Aufwand zu Hackschnitzeln, Stückholz oder Pellets verarbeiten und als wertvoller, einheimischer, klimaneutraler Energieträger nutzen.

Die Herausforderungen werden in den nächsten Jahren weiter zunehmen, denn der Wald befindet sich infolge der Klimaerhitzung in einem tiefgreifenden Umwandlungsprozess: Neue Baumarten werden die alteingesessenen teilweise ersetzen müssen. Um Platz zu schaffen für Baumarten, die mit der Klimaerhitzung besser zurechtkommen, muss die Holznutzung in den nächsten Jahrzehnten deutlich höher liegen als heute. Das dabei anfallende Holz lässt sich sinnvoll und kontinuierlich als einheimische und klimaneutrale Energie nutzen. Die Anhebung der Nutzung auf ein nachhaltiges Niveau bringt jedes Jahr zusätzlich eine riesige Holzmenge. Sie erlaubt den Ersatz von mindestens 600 Millionen Litern Heizöl, die uns bei einem Literpreis von aktuell 70 Rappen jedes Jahr rund 400 Millionen Franken kosten. Wäre es nicht gescheiter, das Geld in die Schweizer Wald- und Holzwirtschaft zu investieren? Das schafft sichere Arbeitsplätze und leistet erst noch einen beachtlichen Beitrag an die Energiewende und den Klimaschutz.
Über Holzenergie Schweiz
Der Branchenverband Holzenergie Schweiz betreibt seit 1979 einen professionellen Informations- und Beratungsdienst und setzt sich bei Behörden und Entscheidungsträgern für eine vermehrte Nutzung der „Wärme aus dem Wald“ ein. www.holzenergie.ch
Koordinationsstelle Aus-/Weiterbildung Holzenergie: www.holzenergie.ch/bildung
Autor:
Christoph Rutschmann
Dipl. Forst Ing. ETH
Projektleiter
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